Das Wort, das schärfer ist als jedes Schwert

Seit nahezu zehn Jahren ist er ständigen Angriffen ausgesetzt. Seien es Disziplinarmaßnahmen, seien es Funktions-, Budget- und Personalentzüge, wobei die bisherigen Zeugnisse anscheinend eine andere Sprache sprechen, als es die Maßnahmen in ihrer Vehemenz vermuten lassen. Doch das fällt niemandem auf.

Es ist fast so, als hätte sich binnen eines Jahres die Persönlichkeit völlig verändert und die Arbeitsleistung, die weit über zwanzig Jahre mehrere tausend Arbeits- und Ausbildungsplätze gesichert und geschaffen hat, die viele Millionen an unternehmerischen Fördermitteln in den Landkreis brachten, die Millionen an Subventionen für kommunale Entwicklungsvorhaben vor Ort brachten, die Entwicklung eines gewerblichen Problemgebietes bei der Gemeinde Lehre sowie dessen vollständige VErmarktung und und und …als seien das Arbeiten gewesen, die vom Himmel gefallen wären. Sind sie bei Leibe aber nicht. Sie sind einzig und alleine auf die Kraft und den Durchhaltewillen eines einzigen Menschen zurückzuführen.

Das vergessen sehr viele Menschen allzu gerne. Es wurde nicht ein einziges Mal dafür gedankt, mit Ausnahme eines Menschen, der einst einmal der erste freigewählte Landrat war.

Es wurden diesem Menschen niemals Fairness und Alternativangebote entgegen gebracht.

Also musste er mit dieser Situation klarkommen, ob es ihm gefiel oder nicht. Er hat Kinder zu versorgen, so wie viele zehntausende anderer Menschen in seinem Umfeld. Er musste sich zeitweise externe Hilfe heranholen, um nicht zu verzweifeln.

Doch dann geschah etwas, was diese externen Hilfsangebote erst induzierten. Sie schufen einen völlig anderen Menschen. Sie generierten durch ihre Unterstützungsprogramme die Neuaufstellung einer Persönlichkeit.

Heute, nach fast zehn jahren ständiger Verunglimpfung und Diskreditierung findet derselbe Mensch eine Vielzahl an neuen Aspekten. Und er verwehrt sich gegen den ständigen Druck, indem er völlig neue Aspekte seiner Persönlichkeit entwickelt hat. Es ist dies die kreative Kraft, die jeder Perönlichkeit innewohnt. Der Verstand wird immer schärfer und trotz des weiter zunehmenden Bossings und gesellschaftlichen Drucks verzweifelt dieser Mensch nicht mehr, weil er verstanden hat, dass größter Druck immer auch neue Impulse entstehen läßt in ihm.

Hat er vor fast zehn Jahren noch sehr holprig und unbeholfen seine Gedanken in Worte gefasst, so sind sie heute schärfer als jedes Schwert. Konnte er seine Gedanken nicht in Bildern und Fotos mit Hilfe von Bildbearbeitungprogrammen illuminieren, so ist das heute gar keine Problemstellung mehr, sondern Freude an Formen, Farben und Funktionen. Konnte er noch vor sechs Jahren seine musischen Vorstellungen nur durch Abhören vielfäligster Musikangebote triggern, so spielt er heute ein Instrument so gut, dass er wirklich große Musik sogar begleiten kann. Seine Hände können aus Metall, Stein und Holz Gegenstände erschaffen und er weiß sehr wohl, dass diese verschiedenen Wege und Fertigkeiten ihm völlig neue Möglichkeiten und Potenziale ermöglichen, die er vor knapp zehn Jahren noch nicht einmal erahnte oder sich gar wagte, zu sagen, Nein, es ist kein Traum, sondern ich kann das, weil ich es lernen werden und gelernt habe.

Druck erzeigt Gegendruck.

Er hat Menschen gesehen und gehört, die an diesem Druck zerbrochen sind, weil sie verzweifelt und vereinsamt sogar so schlimm erkrankten, dass sie heute nicht mehr unter uns weilen. Und das geschah nicht, weil sie nicht auch versucht hätten, einen Gegendruck aufzubauen, sondern weil sie durch ihre Mitwelt ständig und mehr und mehr langsam zerlegt worden sind.

Oft denkt er an diese Menschen. Die wenigen, die er persönlich kennenlernen konnte. Mehr als eine Handvoll sind nicht mehr unter uns.

Und heute weiß er, dass sein Wort schärfer ist als jedes Schwert. Er hat viel gelernt darüber, wie Du die, die angreifen und nur eines im Sinn haben, Dich zu zerstören , wie Du sie abwehren kannst bzw. ihnen klar verdeutlichen kannst, dass sie mehr Menschenfresser denn Menschenliebende sind. Warum? Das entzieht sich ihm und oftmals versucht er wie ein Fischer in fischarmen Fanggründen zu verstehen, wie diese Fische sich verhalten und wovon er denn noch leben könnte ausser von Fischen, denn er hat gelernt zu überleben. Er weiß, dass es andere Einweißquellen gibt und er weiß, wo er sie finden kann.

Denken, Schreiben, Gestalten und immer weiter vordringen in Bereiche, die er noch nie zuvor gesehen hat, das ist sein Alltag geworden. Wieviele Male hat es ihm schon den Boden unter den Füßen weggezogen bei seinen Vorhaben und Versuchen. Doch er hat verinnerlicht, dass Du es immer und immer wieder versuchen mußt, denn dann wird sich der Erfolg schon einstellen. Diese Kunst des Beharrens, der Geduld, der Nachdringlichkeit und des stets neuen Versuchs, die kannte er bereits von sich und wußte deshalb genau, dass die ständige Wiederholung, der stete, neue Versuch zwar kraftraubend doch erfolgreich ist. 51% ist Erfolg!

Und so schaut er heute lächelnd zurück und sagt sich: Was eine Wahnsinns Achterbahnfahrt. Ich lebe! Ich liebe! Ich lerne! Ich lache!

Manchmal schießt er über vor Willen, vor Lust, vor Leidenschaft! Ja, das ist so mit kreativen Menschen. Sie werden genau dadurch gekennzeichnet, dass sie niemals aufgeben und an ihren Fertigkeiten stets und ständig arbeiten. Und genau das unterscheidet sie auch von der Mehrzahl der sie umgebenden Menschen. Sie sind unbequem. Sie sind mürrisch. Sie sind kämpferisch und leidenschaftlich. Sie wissen, dass Freiheit nicht vom Baum fällt, vor allem dann nicht, wenn sie in einer geistig umnachteten Mitwelt ausharren und dort ihren Weg versuchen zu gehen.

Und auf dem Weg wohin auch immer, auf dem Weg im Hier und Jetzt entwickelt so ein Mensch auch für ihn neue schriftstellerische Sphären, wie z. B. die Kunst der Dystopie. Und bitte glaubt mir, das sind dunkle Gefilde, denn dystopische Geschichten enden niemals gut. Er fühlt dabei viel Verständnis für die sog. „Schwarzen“, die Gothics, die diese dystopische Kunst teils sogar vollständig in ihre Lebensrealitäten übernehmen, die eine ganz bestimmte Musik, eine besondere Kreativität dann ihr Eigen nennen und sich abwenden von den gesellschaftlichen Alltagen. Sie zeigen es sogar in ihrer Kleidung, ihrer Art der Körpergestaltung. Sozusagen Dystopie gelebt.

Doch für ihn ist es lediglich ein weiterer Aspekt seiner sich entwickelnden Persönlichkeit. Es ist häufig wie ein Raum in einer großen Burg, die er niemals zuvor erkundet hat. Mit dunklen, feuchten und teils gruseligen Verliesen und dunklen, engen Treppentürmen, die wenn das Licht ausgeht und nicht mehr an, zu geradezu neuprägenden Erlebnissen werden, da sie Dich alleine mit Deinen Gefühlen, Ängsten und dennoch großer Angespanntheit beeindrucken. Gehst Du weiter, gehst Du nicht weiter?! Verharrst Du und gibst Dich Deinen Ängsten und Gefühlen hin oder bist Du in der Lage, Dich selbst erkundend weiter voranzugehen, um eine weitere, unbekannte Tür zu öffnen in einen Raum, der Dir einen kleinen Lichtschimmer zeigt. Du gehst weiter, denn Du hast gelernt, Deine Ängste zu beherrschen. Die Augen haben Angst, die Hände fassen zu. Oder anders ausgedrückt. Die Rettung der Ertrinkenden ist Sache der Ertrinkenden.

Genau so oder ähnich ist es, wenn Du die Dystopie als Erzählstil kennenlernst. Gedanken, Ängste, Wut, Verzweifelung, Euphorie, düstere Szenarien allenthalben. Du fühlst die Steigerung Deiner Sinne hin zu ungeahnten Mitteilungen Deiner Mitwelt. Krün, Plau, Rod. Es verändern sich Deine Sinne auf zunächst fast gespenstische Weise.

Und wenn er dann einen weiteren Raum mit diesem klitzekleinen Lichtstrahl erreicht und der Boden unter ihm nachgibt und er fällt und fällt und dann denkt, das ist es jetzt gewesen, dann wacht er in einem Raum auf, der völlig verkehrt herum ist. Die Tür findet sich an der oberen Wand, er sieht Tische, Stühle, Schränke, die an der Decke sind und erneut muß er sich orientieren und lernen, dass diese Verkehrtwelt nur ein neues Prägungsmuster initiiert, so wie es die Todesangst beim vorhergehenden Fall in diesen neuen Raum in ihm erzeugt hat.

So oder so ähnlich ist es, wenn Deine suchende und erkundende Persönlichkeit Dystopien als Erzählstil entdeckt. Du stehst auf in diesem neuen Raum, gehst umher und tastest alles ab, denn Du hast gelernt, dass nur weil eine Weltsituation verkehrt erscheint, weil sie der Schwerkraft vermeintlich nicht mehr Folge leisten will, es irgendeine weitere Option gibt. Jeder Stein, jede Ritze, Du schaut zu, wie Dein Urinstrahl fliesst oder nicht, Du hauchst und beobachtest den vielleicht stattfindenden Weg des ausgehauchten Atems. Die Rettung der Ertrinkenden ist Sache der Ertrinkenden.

Und so genau sind es die Dystopien, die diesen Menschen gerade in Anspruch nehmen. Er erkundet die vielen, neuen Räume und Sphären, die sich ihm auf seinen kleinen Exkursionen in Verkehrtwelten auftun. Nicht immer ein Vergnügen, wahrlich nicht. Und dennoch sind sie ein Aspekt seiner sich entwickelnden Persönlichkeit.

Viele Menschen bekommen Angst, wenn sie seinen dargelegten Erlebnisberichten lauschen oder folgen. Sie lächeln, wenn sie sehen, wie er aus einem sehr festen Gestein ein weibliches Geschlechtsteil herausarbeitet. Sie erschaudern bei Bildern, die er neu zusammenstellt und fragen sich, was ihn dazu veranlasst. Sie sind nur vorübergehende Schaufenstergäste in seiner Welt. Es kümmert ihn nicht mehr, was andere über ihn denken oder wie sie sich fühlen, denn er geht seinen eigenen Weg. Es ist nicht von Bedeutung, ob es jemandem gefällt oder auch nicht.

Seine Gedanken erzeugen Visionen, Utopien, Dystopien, seine Hände gestalten vielleicht fremdartig wirkende Dinge, seine Musik mag befremdlich wirken für einen Großteil der ihn umgebenden Menschen, doch es hat für ihn nicht dieselbe Bedeutung, die es noch vor zehn Jahren hatte, wo er FÜR die Menschen alles gab, um ihnen neue Ipulse zu ermöglichen. Heute ist er ab und zu wie Don Quijote, wie ein Braveheart, ein Looser, einer, der immer wieder Schiffbruch erlebt und dennoch, er ist. Er ist in dieser Welt Zuhause und er gestaltet Erzeugnisse, die seiner Meinung nach erst in einigen Jahrzehnten eine Mehrzahl von Menschen auch innerlich erreichen wird, weil sich die Menschheit und ihre geistig-kreative Fähigkeit gerade erst aus dem Ei herausarbeitet.

Ja, so ist das mit einem Menschen, den ich kenne. Und ich bin glücklich, ihn zu kennen, auch wenn ihr das vielleicht nicht nachvollziehen könnt. Ich respektiere ihn. Ja, ich liebe ihn sogar ein wenig. Vielleicht, weil er so ist, wie ich gerne wäre. Vielleicht, weil er sich die Freiheit nimmt, die ich nicht habe. Vielleicht aber auch, weil er einfach weitergeht und sich nicht umsieht, wenn wir uns voneinander verabschiedet haben.

Und bis ich ihn vielleicht erneut wiedertreffe, lese ich seine Zeilen, schaue mir seine Bilder und Kunsterzeugnisse an, höre seiner Musik zu und dann beseelt mich ein inniger und sehnsüchtiger Wunsch. Mögen die Götter Deinen Weg begleiten und Dich schützen, mein Freund und Bruder ! Ich danke Dir!

 

 

 

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